So beschleunigt HTTP/2 das Internet

Das HTTP-Übertragungsprotokoll ist in seinem Kern ein einfaches Regelwerk, nach dem Browser und Webserver Inhalte und Dateien austauschen. Damit ist es zugleich das Herz und die Adern des Internet. Über HTTP greifen wir auf unsere Lieblingswebsites zu, lesen News, schauen Videos auf YouTube und tauschen uns in Sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter aus.

Seit seiner ersten Version, Anfang der 1990er Jahre, wurde HTTP nur selten überarbeitet und erweitert. Die letzte HTTP-Version, HTTP 1.1, hat uns über 15 Jahre gute Dienste geleistet.

HTTP Versionen seit 1990, Timeline

Dieses alte Protokoll wird jedoch für moderne, dynamische und multimediale Websites immer mehr zu einem Flaschenhals.

Websites werden komplexer und besser, unsere Browser bieten immer neue Features und Optimierungen, während unsere Geräte mehr Leistung und neue Formate bieten. Und wer möchte schon mit einem Tesla Model S P100D auf einem schmalen Feldweg fahren?

Unsere Websites und Geräte benötigen ein modernes Protokoll, das sie schnell, sicher und effizient mit Inhalten versorgt. Dieses Protokoll ist HTTP/2.

HTTP/2 bei 1&1 Webhosting aktivieren

Ihre Website bei 1&1 Webhosting wird automatisch mit HTTP/2 ausgeliefert, sobald Sie die SSL-Verschlüsselung für Ihre Website aktivieren.

Wie hängen SSL-Verschlüsselung und HTTP/2 zusammen?

Alle Browser setzen für HTTP/2 eine mit SSL verschlüsselte Verbindung voraus. Also eine sichere, verschlüsselte Datenübertragung zwischen Browser und Webserver.

HTTPS und HTTP/2 für verschlüsselte Datenübertragung

Mehr erfahren: SSL-Verschlüsselung für Websites bei 1&1 aktivieren

Angenehmer Nebeneffekt: SSL-Verschlüsselung wird von Google und anderen Suchmaschinen positiv bewertet und führt zu einer besseren Platzierung Ihrer Website in den Suchergebnissen.

Welche Vorteile bietet HTTP/2 gegenüber HTTP 1.1?

HTTP 1.1 wurde 1999 veröffentlicht und seitdem nicht weiterentwickelt. In der Zwischenzeit wurden Websites komplexer und leistungsfähiger.

Einzelne Seiten bestehen heute aus vielen Bausteinen wie Bildern, Videos und Grafiken, JavaScript-Frameworks und komplexen CSS-Dateien. Sie reagieren interaktiv auf den Benutzer und müssen sehr viel mehr Dateien, im besten Falle in einer optimierten Reihenfolge, übertragen als früher. Deshalb öffnen Websites und Apps heute über HTTP 1.1 oft hunderte Verbindungen pro Seitenaufbau. Diese Methode ist nicht effizient und unnötig langsam.

HTTP/2 wurde für die Anforderungen moderner Websites entwickelt und optimiert. Es bietet neue Features, um Websites im Internet zu beschleunigen und ermöglicht es Browsern und Webservern über Multiplexing mehr Inhalte effizient, komprimiert und flexibel miteinander auszutauschen.

Das Protokoll reduziert die Anzahl der Verbindungen, die bis zum vollständigen Seitenaufbau benötigt werden und liefert Inhalte gleichzeitig in einer optimalen Reihenfolge für einen schnellen, korrekten Seitenaufbau aus.

HTTP 1.1 im Vergleich mit HTTP/2 Multistream

Diese Verbesserungen sind vor allem in der Post-PC-Ära wichtig, denn sie bieten Anwendern in überfüllten mobilen Datennetzen oder Gegenden ohne schnelle Breitbandzugänge deutlich kürzere Reaktionszeiten, schnelleren Seitenaufbau und einen reduzierten Datenverbrauch.

Multiplexing beschleunigt die Datenübertragung

HTTP/2 überträgt alle Daten in beide Richtungen innerhalb einer einzigen Verbindung. Diese Methode nennt sich Multiplexing. Beschreibende Informationen (Meta-Informationen) in sogenannten Frames sorgen dafür, dass sich während der Übertragung die richtigen Paare aus Anfragen und Antworten zuverlässig finden. Unabhängig von der Reihenfolge, in der sie bearbeitet werden. Dadurch laden Websites schneller.

Ein kleines Rechenbeispiel: Für eine durchschnittliche WordPress-Website müssen ungefähr 40 Dateien zwischen dem Webserver und dem Browser übertragen werden. Mit HTTP 1.1 können lediglich bis zu 8 Dateien parallel übertragen werden, wobei für jede einzelne Datei eine Verbindung geöffnet und wieder geschlossen wird. Das erzeugt unnötigen Aufwand (Overhead) und Latenzen.

HTTP/2 benötigt hierfür nur eine einzige Verbindung zwischen dem Browser und dem Webserver, über die alle 40 Dateien parallel in beide Richtungen übertragen werden. Multiplexing könnte man auch damit vergleichen, eine Ausstellung als Gruppe mit einem Gruppenticket durch eine offene Tür zu betreten, statt mit individuellen Tickets in der Schlange zu warten.

HTTP2 und HTTP 1.1 im VergleichAbbildung 1

Darüber hinaus kann der Webserver über HTTP/2 Anfragen in einer beliebigen Reihenfolge beantworten, sobald er diese bearbeitet hat (siehe Abbildung 1). Anfragen, die mehr Zeit benötigen, bremsen einfache Anfragen damit nicht mehr aus und Websites werden schneller geladen.

Header-Kompression reduziert das Datenvolumen

Alle Dateien, z.B. Bilder, Skripte, Texte oder Cookies, die zwischen dem Browser und dem Webserver übertragen werden, besitzen sogenannte Header-Informationen. HTTP 1.1 überträgt die kompletten Header-Informationen für jede einzelne Datei, obwohl sich diese Informationen von Datei zu Datei nicht ändern.

HTTP/2 sendet stattdessen die Header-Informationen nur einmal pro Verbindung und komprimiert diese zusätzlich. Dadurch laden Websites mit vielen Dateien deutlich schneller.

Intelligente Priorisierung für schnellen Seitenaufbau

Objekte wie Stylesheets (CSS-Dateien) sind für den Aufbau und die richtige Darstellung einer Website wichtig und sollten gleich zu Beginn geladen werden.

Um dieses Problem zu lösen, bietet HTTP/2 jedem modernen Browser die Möglichkeit, Objekte zu priorisieren, damit der Webserver wichtige Objekte zuerst liefern kann. Diese Priorisierung ermöglicht einen schnellen Seitenaufbau mit korrekter Darstellung.

HTTP/2-Websites sind auch über HTTP 1.1 erreichbar

Browser, die kein HTTP/2 unterstützen, können Websites mit HTTP/2 problemlos darstellen. Die Inhalte werden in diesem Fall über das HTTP-1.1-Protokoll ausgeliefert. Der Nutzer bemerkt davon nichts. Heutzutage können jedoch alle aktuellen Browser mit HTTP/2 umgehen.

HTTP/2 ist für alle Websites im 1&1 Webhosting verfügbar

Alle 1&1 Webhosting-Server unterstützen den Übertragungsstandard HTTP/2 für Websites mit aktiver SSL-Verschlüsselung.

Für Sie bedeutet das: Sie können die Sicherheitsvorteile von SSL mit wenigen Klicks aktivieren und profitieren automatisch von den Geschwindigkeitsverbesserungen unserer Webhosting-Plattform und HTTP/2. Besucher Ihrer Websites benötigen lediglich eine aktuelle Version von Chrome, Firefox, Edge, oder Opera, um die Vorteile von HTTP/2 zu nutzen.

Diesen Beitrag bewerten:

8 Gedanken zu „So beschleunigt HTTP/2 das Internet

  1. Meik Heß sagt:

    Es stimmt leider nicht, dass eine Internetseite automatisch in HTTP/2 ausgliefert wird wenn ich auf meiner (hosted bei 1&1) Seite SSL aktiviert habe.

    Oder habe ich etwas falsch gemacht?

    Vielen Dank für Ihre Unterstüzung.

    M. Heß

    1. 1und1hilfe sagt:

      Hallo,

      tatsächlich scheint es bei Zertifikaten, die schon etwas älter sind, noch Einschränkungen in diesem Bereich zu geben.

      Tipp: Ändern Sie das bestehende Zertfikate auf eine Domain oder Subdomain, die Ihnen nicht ganz so wichtig ist. Aktivieren Sie dann das kostenfreie SSL Starter, welches Sie noch in Ihrem Vertrag nutzen können, für die Domain. Danach wird auch der http/2 Test erfolgreich sein 🙂

      Viele Grüße,
      Michael, 1&1

      1. Meik Heß sagt:

        Danke für Ihre Antwort!

        Ich besitze ein Kostenpflichtiges Zertifikat (GeoTrust QuickSSL Premium)…. würde es auch ausreichen, wenn ich das SSL-Zertifikat neu ausstellen lasse und das alte Zertifikat widerrufe?

        1. 1und1hilfe sagt:

          Bei meinem letzten Versuch reichte dies so nicht aus. Technischer Hintergrund: Durch Aktivieren des SSL Starter-Zertifikats schaltet sich im Account zusätzlich unser SSL-Proxy ein, der auf Nginx-Webserver-Basis läuft – und auf diesem ist http/2 freigeschaltet.

          Wichtiger Hinweis ergänzend dazu: Sobald Sie das SSL Starter aktiviert haben, ist der Zugriff auf den Webspace nur noch via verschlüsseltem FTP (also SFTP) bzw. per unverschlüsseltem FTP im Passiv-Modus möglich.

          Michael, 1&1

  2. Interessanter Artikel. Nach dem Durchlesen habe ich meine Seite auf http/2 getestet. Ergebnis: Nicht aktiviert, obwohl das SSL-Zertifikat installiert ist. Daraufhin Telefonat mit dem Support. Aussage dort: http/2 wird von uns nicht unterstützt. Ich denke, der Kollege war leider nicht ganz im Bilde … . Aber wie kriege ich nun http/2 aktiviert?

    1. 1und1hilfe sagt:

      Hallo Rigobert Hofmann,

      sollte es um die Website gehen, die Sie beim Kommentieren angegeben haben- dort ist http/2 bereits aktiv. Bitte nochmal hier testen: https://tools.keycdn.com/http2-test

      Sie müssen also soweit nichts mehr tun- Voraussetzung für http/2 ist bei uns immer ein gültiges SSL-Zertifikat zur Domain (was bei Ihnen auch der Fall ist). Mit Domains ohne SSL würde der Test negativ verlaufen. Browserhersteller haben sich darauf verständigt, http/2 nur via “https” Aufruf zu unterstützen. Damit ist SSL quasi per Definition Standard für http/2.

      Viele Grüße,
      Michael. 1&1

  3. Hallo,

    herzlichen Dank für Ihre Antwort! Ja, es handelt sich um die angegebene Website. Ich hatte einen Test mit spdycheck.org durchgeführt, dachte da wird auch auf http/2 getestet. Der KeyCDN-Test gibt tatsächlich einen Erfolg aus. Schön! Die Seite läuft trotz http/2 recht holprig und langsam. Suche gerade nach den Ursachen und nach Beschleunigungsmöglichkeiten. Habe schon ein Cache-Plugin und Autoptimize im Einsatz. GZIP und Browser-Caching müsste aktiviert sein und trotzdem laaaaangsam …

    Viele Grüße,

    Rigobert Hofmann

    1. 1und1hilfe sagt:

      Hallo Herr Hofmann,

      ich kann da nur von temporären Performance-Spitzen ausgehen, aktuell lädt die Seite sehr schnell. Hier erhalte ich zur Zeit einen Performance-Wert von 95/100, was für ein Shared Hosting-Paket ein sehr, sehr guter Wert ist: https://tools.pingdom.com/#!/eCgDzC/https://www.lebenspraxis.com

      Was hier etwas verzögernd lädt ist der Banner von “Initiative S” weiter unten auf der Seite, dieser beansprucht für die externe Verbindung aktuell alleine über 1s Ladezeit.

      Viele Grüße,
      Michael, 1&1

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